
Eine Wadenvergrößerung, medizinisch Wadenaugmentation genannt, wird oft von solchen Patienten in Erwägung gezogen, deren Waden im Rahmen einer Erkrankung übermäßig verschmächtigt sind (im Extremfall sog. Storchenbeine). Entsprechende Befunde können auch einseitig auftreten. Die Wadenvergrößerung aus ästhetischen Gründen, gewinnt in den letzten Jahren aber immer mehr an Popularität.
Angeborene Ursachen von schmächtigen Waden (Wadenhypotrophie) sind:
Erworbene Wadenverschmächtigung hat ihre Ursache oft in folgenden Erkrankungen:
Hin und wieder gibt es auch Interesse für Wadenimplantate aus der Bodybuilding-Szene. Wenn trotz intensivsten Trainings sich die Waden nicht formen lassen, wie der Restkörper und daher eine Dysbalance besteht, kann die Frustrationsgrenze überschritten werden. Daher erwägen einige Sportler dieser Problematik mittels chirurgischer Wadenvergrößerung zu begegnen.
Zu klein angelegte Waden können recht gut durch Muskelaufbautraining korrigiert werden. Alles was bei der Spitzstellung des Fußes Kraft kostet, trainiert die Waden - z.B. Zehenspitzenstand mit Gewichten, Treppensteigen, Bergwandern, Sprinten und ähnlichem. Im Bodybuilding können durch besonders intensives Training in Kombination mit proteinreicher Ernährung extreme Wadenzuwächse erreicht werden.
Bild: Die Grafik zeigt die Schnitte bei der Wadenvergrößerung des inneren Anteils der Wade.

Die Wadenvergrößerung mittels Wadenimplantat wird meist in Vollnarkose durchgeführt. Auch eine Rückenmarksbetäubung ist möglich. Ein kurzer stationärer Aufenthalt ist zu empfehlen. Vor der Waden-Operation sollten Allgemeinerkrankungen abgeklärt werden und blutverdünnende Medikamente rechtzeitig abgesetzt werden. In einem Ausführlichen Gespräch wird Ihnen Ihr plastischer Chirurg über die Techniken der Wadenvergrößerung berichten und vor und Nachteile erläutern. Auf Komplikationen sollte dabei detailliert eingegangen werden.
Die genaue Schnittführung ist davon abhängig, ob nur der innere oder auch der äußere Anteil der Wade korrigiert werden soll. Bei der Wadenvergrößerung des inneren Anteils (häufigster Eingriff) wird ein ca. 4cm langer Schnitt (siehe Abbildung) an der Innenseite der Kniekehle gesetzt. Beim vergrößern des äußeren Anteils geschieht dieses außen. Werden beide Anteile vergrößert werden (Einlage zweier Implantate) genügt ein ca. 5cm langer Schnitt horizontal mittig.
Von hier aus wird das Implantatlager unter der Faszie (eine feste Faserschicht) auf dem zweiköpfigen Wadenmuskel (M. Gastrocnemius) präpariert und das passende Wadenimplantat platziert. Da es hier kaum blutet, kann ggf. auf die Einlage von Drainagen verzichtet werden. Bei Bodybuildern kann das Wadenimplantat unter den Kopf des M. Gastrocnemius gelegt werden, damit dieser sichtbar bleibt.
Zu guter Letzt wird die Wunde in mehreren Schichten vernäht. Ein leicht komprimierender Wickelverband oder ein Stützstrumpf vermindern das Risiko einer Blutung und einer Thrombose nach der Wadenvergrößerung.
Auch die bei der Wadenvergrößerung verwendeten Wadenimplantate haben ähnliche Fortschritte gemacht, wie die Brustimplantate. Standard sind auch hier auslaufsichere Silikongelimplantate mit stabiler mehrschichtiger Umhüllung. Hier haben sich allerdings glattwandige Wadenimplantate durchgesetzt, die in einer schmaleren spindelförmigen 'Damenform' und einer einseitig breiteren 'Herrenform' zur Verfügung gestellt werden. Verschiedene Größen erlauben eine gute Anpassung bei der Wadenvergrößerung.
Für besondere Indikationen können Wadenimplantate nach Maß angefertigt werden.
Bild: Ein Wadenimplantat mit Silikongel-Füllung.

Axmann und Schneider aus Deutschland berichten 1995 über einen Fall der erfolgreichen Wadenvergrößerung mit Hilfe einer freien Lappen-Transplantation eines geraden Bauchmuskels (VRAM) (6). Dieser wird mit dem Gefäßnervenbündel am Bauch entnommen und mikrochirurgisch wieder an Gefäße im Bereich der Wade angenäht.
Auch Hui KC und Kollegen aus den USA berichteten 1999 über einen ähnlichen Fall einer Wadenvergrößerung bei einem Patienten, der sehr unter seiner linkseitigen Deformierung der Wade litt (7). Diese Wadenhypotrophie bestand seit der Kindheit infolge einer Poliomyelitis. Der Patient lehnte die Verwendung von Wadenimplantaten ab. Das Ergebnis wird als exzellent geschildert. Dennoch hat sich diese ungewöhnliche und recht aufwendige Methode bis heute nicht durchgesetzt.
Die Wadenvergrößerung ohne Op ist nun seit 2007 mit der stark quervernetzen Hyaluronsäure möglich - allerdings unter Inkaufnahme eines kürzeren Effektes der ca. 1,5 Jahre anhält. Für weitere Infos lesen Sie den Beitrag Macrolane.
Auch besteht die Möglichkeit der Vergrößerung und Formung der Waden mit der Eigenfett-Transplantation. Dieses setzt allerdings voraus, dass die Patienten nicht zu dünn sind, da sonst keine Spenderregion gefunden werden kann. Die resultierende Wade wirkt allerdings, da mit Fett aufgefüllt nicht sportlich muskulös.
Aktualisiert am 15.08.2012
Pubmed
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Dr. Rene Schumann; Plastischer Chirurg im Raum Düsseldorf, Köln, Essen in NRW
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