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Handchirurgie und Erkrankungen der Hand
Autor Dr. Rene Schumann
Kapitelüberblick Entzündung der Sehnenscheide (bitte klicken Sie, um auf ein Kapitel zu springen)
Abbildung rechts: Sehnenscheidenentzündung beim Karpaltunnelsyndrom. Die Sehnenscheide wird im Klemmchen gehalten.
Unter Sehnenscheidenentzündung versteht man das Auftreten von Entzündungen an der Sehnenscheide (Sehnengleitgewebe), meist infolge einer Überbeanspruchung durch bestimmte berufliche oder sportliche Tätigkeiten. Sehnenscheidenentzündungen können aber auch im Rahmen einer Verletzung (Zerrung, Quetschung,...) auftreten.
Worterklärung:
Sehnenscheidenentzündung = Tendovaginitis = Tendo (Sehne) + Vagina (Scheide)
Synonyme für die Sehnenscheidenentzündung: Tendosynovitis, Tendovaginitis, Tenosynovitis, Peritendinitis, Paratendinitis.
Bei der Sehnenscheidenentzündung ist meist eine Überbeanspruchung der entsprechenden Sehnen eruierbar. Diese entsteht durch wiederholte Tätigkeiten, die monoton sind, durch Fehlhaltungen und durch eine Überbelastung. Das heißt, es handelt sich in der Regel um eine nichtbakterielle Entzündung im Sinne einer Reizerscheinung. Die Sehnenscheidenentzündung kann aber auch im Rahmen einer bakteriellen Besiedlung z.B. bei Verletzungen auftreten. Die Unterscheidung von der eitrigen und nichteitrigen Sehnenscheidenentzündung ist enorm wichtig, denn die Behandlung ist von Grund auf verschieden. Bei der eitrigen Form können Bakterien rapide über Sehnenscheiden, und Lymphbahnen bis ins Blut gelangen und zur Blutvergiftung.
Durch Überbeanspruchung kommt es bei der Sehnenscheidenentzündung zu einer vermehrten Reibung im Bereich der Sehnenscheiden. Dieses führt zu einer Reizung der Sehnenscheiden mit Schwellung. Letzere verschlimmert wiederum die Reibung und so weiter. Durch Reibung an Strukturen wie Bändern (Ringband: Schnappfinger; Strecksehnenfächer z.B.: Tendovaginitis de Quervain; queres Handgelenksband: Karpaltunnelsyndrom, CTS) und anderen Sehnen kommt es wiederum zur Vermehrung der Reizerscheinung. Mikroverletzungen verstärken dabei ebenfalls die Tendovaginitis. Bei der chronischen, fortgeschrittenen Sehnenscheidenentzündung resultiert eine Abnahme der Sehnengleitfähigkeit durch narbenähnliche Veränderungen an den Sehnenscheiden. Es kann zu Verklebungen von Sehnen kommen und somit schließlich zur Einschränkung des Bewegungsausmaßes.
Die Symptome der Sehnenscheidenentzündung sind geprägt von folgenden Punkten: Teigige Schwellung, Schmerzen, Rötung, Verhärtungen, Überwärmung. Druckschmerzen über der Schwellung und Schmerzen bei Bewegung und Belastung sind typische Symptome. Weiterhin kann Reibung oder Knirschen bei der Bewegung der betroffenen Sehnen tastbar sein. Manchmal, insbesondere bei chronischer Sehnenscheidenentzündung können Knötchen und Verhärtungen getastet werden. Bewegungseinschränkung, Bewegungsunfähigkeit und Deformierungen sind meist in Kombination mit Rheuma zu finden.
Die Schmerzen müssen von Beschwerden im Gelenk unterschieden werden. Überbeine sind im Zusammenhang mit Sehnenscheidenentzündungen auch anzutreffen. Diese können Ihren Ursprung in der Sehnenscheide oder im Gelenk haben.
Die Sehnenscheidenentzündung geht oftmals mit einer Kompression an Nerven einher. Typische Folge an der Hand ist das Karpaltunnelsyndrom oder das Sulcus ulnaris Syndrom im Bereich des Ellenbogens. Am Fuß tritt manchmal das seltene Tarsaltunnelsyndrom auf.
Die Sehnenscheidenentzündung bei Rheuma nimmt nicht selten schwere Züge an. Durch Schwellung der Sehnenscheiden und Gelenkstrukturen führt die Dehnung von Bändern, Gelenkkapsel und die Fehlleitung von Sehnen zu Deformierungen der Finger und der Hand.
Bei den folgenden Berufsgruppen und Aktivitäten ist die Sehnenscheidenentzündung häufiger:
Die Stichworte für eine konservative Behandlung der Sehnenscheidenentzündung sind Ruhigstellung, Hochlagerung, Kühlung:
Bei einer stärkeren Sehnenscheidenentzündung sollte man über einer Injektion in den Bereich der Sehnenscheiden nachdenken, um den Teufelskreis zu unterbrechen und eventuell eine Operation zu vermeiden. Vorsicht ist geboten in der Nähe von Nerven. Insbesondere im Bereich des beugeseitigen Handgelenkes, wo die Sehnenscheidenentzündung am häufigsten auftritt, darf man nicht vergessen, das der Nervus medianus (der mittlere Handnerv) über den Sehnenscheiden liegt!
Es gibt auch Möglichkeiten einer Sehnenscheidenentzündung vorzubeugen.
Operation bei SehnenscheidenentzündungAbbildung rechts: Entfernte Sehnenscheiden bei Operation wegen Sehnenscheidenentzündung.
Das Prinzip der Operation der Sehnenscheidenentzündungen ist einfach. Die aufgequollenen verdickten Sehnenscheiden werden entfernt oder teilenfternt. Zusätzlich vorhandene Überbeine werden entfernt. Verklebungen, die bei länger bestehender Sehnenscheidenentzündung vorhanden sein können werden gelöst. Dabei müssen die wichtigen benachbarten Strukturen wie Nerven und Gefäße geschont werden. Bei Karpaltunnelsyndrom oder stenosierenden (einengenden) Sehnenscheidenentzündungen müssen die entsprechenden Bänder durchtrennt werden (siehe jeweilige Kapitel).
Die Nachbehandlung im Anschluss ist sehr unterschiedlich, da abhängig von dem Ausprägungsgrad und den Begleiterkrankungen. Ruhigstellung, Kühlung, Hochlagerung und Schmerztherapie sind auch nach der Operation für einige Tage bis wenige Wochen wichtig.
Bei Rheuma ist die Operation der Sehnenscheidenentzündung meist komplexer. Hier müssen oft auch Korrekturen der Lage und Spannung an Sehnen und Bändern erfolgen.Aktualisiert am 01.12.2008
Quellen zum Thema Sehnenscheidenentzündung:
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