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Plastische Chirurgie, Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie
Autor Dr. Rene Schumann
Kapitelüberblick Nasenkorrektur
Die Nasenkorrektur wird auch Nasenplastik oder medizinisch Rhinoplastik genannt. Bei einer Nasendeformität lässt sich mit einer Nasenkorrektur das ästhetische Gesamtbild des Gesichtes normalisieren, zumal die Nase einen hohen Stellenwert in der Ästhetik des Gesichtes einnimmt.
Zu den typischen Nasendeformitäten gehören die Langnase, die Hakennase, Höckernase, Breitnase u.a. Auch funktionelle Beschwerden, also Störungen der Nasenatmung, sind häufig vorhanden und müssen bei der Nasenkorrektur berücksichtigt werden.
Ein Schiefstand der Nasenscheidewand kann, muß aber nicht zur Behinderung der Nasen-Atmung führen. Es gibt eine Reihe von Menschen mit starker Schiefstellung der Nasen-Scheidewand deren Nasenatmung nicht gestört ist. Im Vordergrund dieses Beitrages steht die ästhetische Nasenkorrektur.
Für die Nasenkorrektur muß man je nach Ausdehnung der Nasendeformität mit einer OP-Zeit von 45 Minuten bis 2 Stunden rechnen. Eine kleinere Nasenoperation kann in örtlicher Betäubung durchgeführt werden. Die eigentliche Nasenkorrektur mit Korrektur am Knorpel, Knochen, u.a. wird in Vollnarkose durchgeführt. In den zuletzt genannten Fällen ist in der Regel ein stationärer Aufenthalt von wenigstens 24 Stunden sinnvoll.
Die Operation: NasenkorrekturDie Nasenkorrektur ist wegen des komplexen Aufbaus der Nase anspruchsvoll. Die Nase besteht aus mehreren Knorpeln und Knochen die in enger Abhängigkeit voneinander und von der Hautstruktur den äußeren Aspekt ausmachen. Auch bei einer kleineren Nasenkorrektur müssen oft verschiedene Strukturen verändert werden. Zu Beginn wird in diesem Kapitel auf die Grundprinzipien eingegangen und später werden spezielle Punkte hervorgehoben.


Die Bilder zeigen die Schnittführung bei der offenen Nasenkorrektur: gepunktet ist der Schnitt-Verlauf innerhalb der Nase.
Eine geschlossene Nasenkorrektur hat den Vorteil, dass sie keine äußerlich sichtbaren Narben hinterlässt. Der Operateur muss im Einzelnen entscheiden, wann eine geschlossene bzw. eine offene Nasenkorrektur von Vorteil ist. Eine Nasenhöckerentfernung kann in vielen Fällen problemlos in geschlossener Technik durchgeführt werden. Muss jedoch eine etwas komplexere Korrektur an der Nasenspitze oder am knorpeligen Nasendach erfolgen, so ist die offene Nasenkorrektur wegen der besseren Übersicht im Vorteil. Dieses erkauft man sich mit einer kleinen Narbe am Nasensteg, die selbst aus nächster Nähe kaum sichtbar ist. Bei asymmetrischen, breiten und hohen Nasenspitzen und bei voroperierten Nasen ist die offene Nasenkorrektur ebenfalls die sicherere Wahl. In den 90-er Jahren galt es als „en vogue“ fast alle Nasen geschlossen zu korrigieren. Heute geht die Tendenz bei den Nasenoperateuren eher in Richtung offene Nasenkorrektur.
Bilder: Wichtige Strukturen für die Nasenkorrektur. Das rechte Bild zeigt die Veränderungen bei der Höckernase bzw. Höckerlangnase:


Das Nasendach muss bei der Nasenkorrektur fast immer bearbeitet werden. Als Nasendach bezeichnet man die knöchernen und knorpeligen Anteile des Nasenrückens. Die Grenze vom knöchernen zum knorpeligen Nasendach ist am Nasenrücken gut tastbar. Das obere Drittel kann man nicht seitlich verschieben. Dieser feste Bereich besteht aus dem Nasenknochen und innen aus dem knöchernen Anteil der Nasenscheidewand. Der weiter unten liegende Bereich ist seitlich mehr oder minder verschieblich und besteht aus Knorpel. Das Dach wird hier von dem sogenannten Dreiecksknorpel begrenzt. In der Tiefe befindet sich der knorpelige Anteil der Nasenscheidewand.

Die Nasenspitze ist geprägt von der Form der Flügelknorpel (grün), die sich wie zwei halbe Schirme aufspannen. Diese beiden Gebilde sind meist leicht zu ertasten und bei vielen Menschen sichtbar.
Der Nasenhöcker ist einer der häufigsten Gründe für den Wunsch einer Nasenkorrektur. Der Höcker entsteht durch eine knöcherne und oder knorpelige Auftreibung des Nasendaches. Ist der Nasenhöcker nur diskret ausgebildet, dann kann ein Abraspeln mit einer Knochenraspel ausreichend sein. Die Entfernung des großen und mittelgroßen Nasenhöckers geschieht wie beim Steinmetz mit Hammer und Meißel. Hier genügt oft die geschlossene Nasenkorrektur, wenn keine Gründe dagegen sprechen. Zuerst wird das knorpelige Nasendach angeschnitten. Dann wird ein spezieller Meißel in diesen Knorpelschnitt geführt und der Knochenüberschuß am Nasendach abgemeißelt. Nach dem herausziehen des gewonnenen Knochens ist das Nasendach nun offen. Dieses wird „open Roof“ genannt. Um das Dach wieder zu schließen, müssen die seitlichen Knochenanteile an der Seite der Nase zur Mittellinie hin verschoben werden. Dies funktioniert nur indem die Basis dieses Knochens mit einem weiteren Meißel gebrochen wird.
Im Rahmen der Nasenkorrektur wird bei der oben beschrieben Korrektur des Nasendaches der Dreiecksknorpel (knorpeliger Anteil des Nasendaches) mit angepasst. Danach muss auch die vordere Nasenscheidewand verändert werden. In der Regel wird diese erniedrigt mit der Folge des Absinkens der Nasenspitze und des unteren Anteils des Nasendaches. Wird hier zu wenig gekürzt kann es zur sogenannten Papageienschnabel-Deformität kommen, die ein bogenförmiges Abfallen der Nasenrückenlinie (unterer Bereich) im Profil und eine neuerliche Nasenkorrektur bedeutet. Bei der Nasenkorrektur von Langnasen bzw. Hakennasen wird das untere Ende der Nasenscheidewand gekürzt, so dass die Nasespitze nach oben positioniert werden kann.
Ist ein Schiefstand der Nasenscheidewand mit Nasenatmungsbehinderung vorhanden, so muß die Nasenkorrektur auch die Begradigung der Scheidewand mit einschließen. Mittels Entlastungsschnitten, Fixierung von Knorpeltransplantaten und speziell angelegten Nähten ist dies möglich. Nur in seltenen Fällen bei einer komplexen Verkrümmung der Nasenscheidewand, kann diese komplett entnommen und außerhalb des Körpers begradigt und schließlich wieder eingesetzt werden.
NasenspitzenkorrekturIm Rahmen der Nasenkorrektur erfordert die Nasenspitzenkorrektur die größte Feinarbeit. Schon kleine Ungenauigkeiten beim Setzen von Nähten können sichtbare Stufen oder Ungleichheiten bedeuten. Eine exakte Korrektur einer mittelschweren bis schweren Nasenspitzen- Fehlbildung ist mit der offenen Nasenkorrektur zu empfehlen. Die Nasenspitzenkorrektur ist auch in örtlicher Betäubung durchführbar. Empfehlenswert ist eine begleitende Sedierung (Dämmerschlaf).
Techniken gibt es für die Nasenspitzenkorrektur, wie Sand am Meer. Die Flügelknorpel können in dem Bereich verschmälert werden, welcher dem Nasendach zugewandt ist. Wird der Knorpel zu stark geschwächt, ist beim einatmen ein Kollaps des Äußeren Naseneinganges möglich, der die Luftzufuhr auf unangenehme Weise drosselt. Eine kugelig wirkende Nasenspitze kann durch Zusammennähen der Flügelknorpel in der Mittellinie erfolgen. Sogenannte Matratzennähte können den Effekt verstärken. Ist der Flügelknorpel insgesamt zu weit angelegt muss in der horizontalen Richtung gekürzt werden, durch Entfernung eines Segments oder durch Verschiebung ineinander. Auch eine Verstärkung des Nasenstegs mittels Knorpeltransplantat ist manchmal sinnvoll, um bei stärkeren Korrekturen im Nasenspitzenbereich die Stabilität zu erhalten.
Bei der Nasenkorrektur weit aus dem Gesicht ragender Nasen (starke Projektion), können nach der Erniedrigung des Nasendaches, die Nasenlöcher teils extrem groß wirken. Auch hier gibt es eine Korrektur-Möglichkeit. An der Basis des Nasenflügels wird ein Keil entnommen und der entstehende Defekt so vernäht, dass die Narbe später kaum sichtbar, in der Umschlagsfalte am Übergang des Nasenflügels zur Wangenhaut, zu liegen kommt. Bei der Naht ist besonders auf Symmetrie und Stabilität zu achten, da hier in Bezug auf das Naseputzen und Schnäuzen in den ersten 2 Wochen eine Schwachstelle besteht.
Bei einer Nasenkorrektur muss der Winkel zwischen Nasensteg und Oberlippe besonders berücksichtigt werden. Dieser im Profil gut einschätzbare Winkel hat einen großen Stellenwert in der Ästhetik der Nase und somit bei der Nasenkorrektur. Während bei Frauen ein stumpfer Winkel von 100- 110 Grad als ästhetisch empfunden wird, liegt dieser bei Männern zwischen 90 und 100 Grad.
Bei der asiatischen und afrikanischen Nase gibt es bezüglich der Nasenkorrektur einige Besonderheiten zu beachten. Im Vergleich zum kaukasischen Typ (Europäer) ist eine breite Basis und eine flache Beschaffenheit von Nasenrücken und Nasenspitze typisch. Die breite Basis betrifft sowohl den Nasenrücken als auch die Nasenflügelregion. Es ist also naheliegend, dass die Zielsetzung bei der Nasenkorrektur eine Andere ist. Die Patienten wünschen oft einen Aufbau des Nasenrückens und der Nasenspitze. Weiterhin wünschen sie sich oftmals eine Verlängerung der Nase und eine Korrektur der Nasenlöcher und Nasenflügel, damit man nicht mehr in die Nase „hineinschauen“ kann.
Der Aufbau des Nasenrückens und der Nasenspitze kann erfolgen durch ein Silikonimplantat, welches vom Nasenrücken über die Nasenspitze bis in den Nasensteg reicht, oder mittels Eigengewebe (z.B. Ohrknorpel). Das Implantat / Transplantat kann individuell zurechtgeschnitten werden. Es sitzt nach der Implantation unter der Haut und reicht vom Nasendach bis zur Nasenspitze oder zum Nasensteg. Man kann auf diese Art zwar keine typische europäische Nase formen, jedoch eine Reduktion des "stupsigen" Charakters ermöglichen. Diese Nasenkorrektur-Techniken werden auch bei europäischen Nasen eingesetzt, wenn hier z.B. im Rahmen einer Höckerabtragung eine Überkorrektur erfolgte, die Sattelnase genannt wird.
Auch ohne operative Nasenkorrektur ist ein Nasenrückenaufbau möglich. Die Hyaluronsäure, die bei der Faltenunterspritzung zur Anwendung kommt, kann auch hier gute Dienste erweisen. Sie wird unter die Haut auf das Nasendach gespritzt. Das Volumen eines solchen Aufbaus ist geringer, als bei einer Silikonimplantateinlage. Die Haltbarkeit beträgt je nach Art der Hyaluronsäure 9-18 Monate.
Die weit ausladenden Nasenflügel und großen Nasenlöcher werden prinzipiell korrigiert, wie oben unter Nasenflügelkorrektur beschrieben. Jedoch müssen hier meist größere Keile entfernt werden, als es bei den heimischen Nasen der Fall ist. Bei sehr breit ausladenden Nasenflügeln bedient man sich zusätzlicher Nahttechniken, um eine starke Verschmälerung des Naseneinganges zu erhalten. Diese Art der Nasenkorrektur kann in örtlicher Betäubung durchgeführt werden.
Nach einer Nasenkorrektur kann es zu starken Schwellungen im Bereich der Ober- und Unterlider, der Wangen und der Stirnmitte kommen. Das ist allerdings auch abhängig von der Schwere der Operation. Um Schwellungen zu minimieren sind abschwellende Maßnahmen hilfreich: Kühlen, Oberkörperhochlagerung beim Schlafen und entsprechende Medikamente.
Die oben beschriebenen Schwellungen nach der Nasenkorrektur sind oft von blutunterlaufener Haut begleitet. Ein wirklicher Bluterguss, der unter der Unterhaut liegt ist die Ausnahme.
Bei einer ästhetischen Nasenkorrektur ist das Austamponieren der kompletten Nasenhöhle nicht notwendig, es sei denn, es wurde eine größere Korrektur der Scheidewand oder der Nasenmuscheln durchgeführt. Es werden lediglich kleine Stütztamponaden z.B. aus schwammigem Gewebe in dem vorderen Nasenabschnitt platziert. Das Ziehen dieser Nasentamponaden ist nicht schmerzhaft.
Wenn bei der Nasenkorrektur der Knochen gebrochen werden musste, so ist ein Nasengips, der meist 2 Wochen belassen wird unerlässlich. Jedoch wird häufig auch ohne eine Korrektur am Knochen eine Schiene zur Reduktion der Schwellung angelegt. In leichteren Fällen ist Klammerpflaster ausreichend. Heute ist meist Kunstoffgips im Gebrauch, die über einem Pflasterverband an der Nase fixiert werden.
Nach einer offenen Nasenkorrektur werden die Fäden am Nasensteg nach etwa 7-10 Tagen entfernt.
Wie schon beschrieben ist nach der Nasenkorrektur eine erhöhte Oberkörperhaltung von Nutzen. Kühlen kann die Lidschwellung vermindern. Ein Schnäuzen sollte vermieden werden, da dieses das operative Ergebnis negativ beeinflussen kann. Wenn schon Schnäuzen oder Niesen, dann durch den offenen Mund, um den Druck zu vermindern. Beim Naseputzen ist zunächst das Wischen zu vermeiden - Tupfen ist schonender. Durch die Mobilisation von Krusten können erneute Schwellungen und Blutungen auftreten. Auch zu viel Sprechen ist in den ersten Tagen nach der Nasenkorrektur ungünstig. Eine Schonung der mimischen Muskulatur ist hilfreich.
Die Nase ist anfangs noch sehr stoßempfindlich und der Knochen noch nicht komplett gefestigt. Daher sollten insbesondere Kontaktsportarten und Ballsportarten 4-6 Wochen nach einer Nasenkorrektur gemieden werden.
Die Formung der Nase ist ein länger andauernder Prozess deren größter Teil sicherlich nach ca. 3 Monaten abgeschlossen ist. Danach sind nur noch geringere Veränderungen festzustellen. Bei sehr großen oder langen Nasen ist nach einer Nasenkorrektur bezüglich der Schrumpfung des Hautüberschusses viel Geduld nötig.
Aktualisiert am 05.04.2010
Quellen zum Thema Nasenkorrektur bzw. Rhinoplastik:
Pubmed:
Copyright© 2008-2010 Dr. Rene Schumann, Düsseldorf - NRW - Deutschland
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