
Die Bezeichnung Lipödem hat Allen (2) bereits im Jahre 1940 im Rahmen der ersten Veröffentlichung zu diesem Thema geprägt.
Das Lipödem, auch Lipomatosis dolorosa oder Adipositas dolorosa, ist eine chronisch-fortschreitende Erkrankung, die fast nur bei Frauen auftritt (bei Männern nur im Falle von hormonellen Erkrankungen). Das Lipödem betrifft im Wesentlichen die Unterschenkel, Oberschenkel und die Hüftregion. Hier zeichnet sich eine symmetrische, teils enorme Fettvermehrung mit Neigung zu Wassereinlagerungen ab. Schmerzen, insbesondere bei Druck oder Berührung, sind beim Lipödem häufig und meist verursacht durch die erhöhten Spannungsverhältnisse. Oft neigen die Patienten zu schnellen Bildung von Blutergüssen, selbst bei nur kleinen Prellungen. Ist das Lipödem stark ausgeprägt und mit Deformierungen verbunden, so kann das Gehen mechanisch sehr behindert sein.
Eine weitere Fettverteilungsstörung ist die sog. Lipohypertrophie, bei welcher keinerlei Beschwerden bestehen und daher auch kein Krankheitswert. Dazu gehören z.B. die Reithosen und Hüftpolster, deren Fettabsaugung im Allgemeinen nur aus ästhetischen Gründen erfolgt.
Auch Lipomatosen sind vom Lipödem zu unterscheiden. Auch hier bestehen keine Schmerzen und Wassereinlagerungen, jedoch steht die seelische Beeinträchtigung durch die Deformierung im Fordergrund. Eine Fettabsaugung kann auch hier die Körperform normalisieren.
Die bislang gängige Lipödem-Einteilung bezieht sich auf den sichtbaren und tastbaren Untersuchungsbefund. Eine Eindeutige Quantifizierung mittels Gerätschaften existiert bislang nicht.
Die konservative Behandlung ohne Operation kann folgendermaßen kurz zusammengefasst werden:
Leider sind diese Behandlungs-Maßnahmen oft nur von passagerer Natur und müssen in gewissen Abständen wiederholt werden. Eine Fettgewebsreduktion des erkrankten Gewebes ist somit nicht zu erreichen. Diese funktioniert nur im Rahmen einer Fettabsaugung.
Die Fettabsaugung ist beim Lipödem eine mittlerweile etablierte Methode. Bevor man sich allerdings zu dieser Operation entschließt, sollten die konservativen Möglichkeiten der Behandlung ausgeschöpft werden. Auch sollte ein Ausschluss anderer Ursachen Umfangszunahme, wie Lymphödem oder Ödeme bei Internistischen Erkrankungen, erfolgt sein.
Durch die Fettabsaugung wird die Menge des vom Lipödem betroffenen Fettgewebes zum Teil drastisch reduziert, was mit einer deutlichen Reduktion der Beschwerden einhergeht. Insbesondere von der verminderten Schwellneigung und der Schmerzreduktion profitieren die Patienten. Dadurch kann die Lebensqualität deutlich verbessert werden.
Prinzipiell erfolgt die Liposuktion beim Lipödem in gleicher Weise wie im Beitrag Fettabsaugung beschrieben. Ein beliebtes Verfahren ist die PAL- Fettabsaugung (power-assisted-liposuction), bei der durch Mikrovibrationen eine bessere Gewebeschonung gewährleistet wird. Anders könnte man auch sagen, dass wegen der Gewebeschonung mehr Fettgewebe abgesaugt werden kann, als bei der herkömmlichen Fettabsaugung.
Die Fettabsaugung macht beim Lipödem insbesondere dann sind, wenn die konservativen Möglichkeiten der Behandlung nicht zum gewünschten Erfolg führen.
Auch Schmerzen, die sich nicht mehr behandeln lassen, können oft mittels Fettabsaugung reduziert werden.
Weiterhin ist häufig das ästhetische Missverhältnis der Körperproportionen und das damit verbundene seelische Leiden der Patienten, Grund für den Entschluss zur Fettabsaugung.
Trotz allem sollten eventuelle Kontraindikationen bedacht werden. Zu diesen können folgende gehören: schwerwiegende Nebenerkrankungen, wie Herzschwäche, einige Herzrhythmusstörungen, starke Varikosis (Krampfadern), Blutgerinnungsstörungen u.v.m.
Auch sollte das geschätzte Ausmaß der Fettabsaugung beim Lipödem in Hinblick auf den entstehenden Hautüberschuss einkalkuliert werden. Beim Absaugen großer Mengen (über 4-5 Liter) muss man damit rechnen, dass je nach Hautqualität eine Schrumpfung nur noch im reduzierten Maße stattfindet. Ggf. kann bei einem starken Hautüberschuss an den Oberschenkeln eine spätere Oberschenkelstraffung erforderlich werden.
Im Vergleich zu einer konventionellen Fettabsaugung gibt es bei der Liposuktion von Lipödemen einige Besonderheiten.
Die Nachbehandlung nach einer Fettabsaugung bei Lipödem hängt ab von der Befundausprägung vor der OP und von dem Ausmaß des Eingriffes. Sehr wichtig ist eine Kompressionsbehandlung über mehrere Wochen bis wenige Monate hinweg, da es sich häufig um enorme Reduktionsmengen handelt, mit entsprechender postoperativer Schwellneigung. Die Schonung und Hochlagerung der Beine sind ebnen so wichtig. Die Fäden an den Einstichstellen können meist nach 5-7 Tagen entfernt werden. Das sichtbar werden eines endgültigen Ergebnisses nach der Fettabsaugung kann mehrere Monate dauern.
Obwohl es sich bei dem Lipödem um eine Erkrankung handelt, übernehmen die Krankenkassen die Fettabsaugung nicht. Es handelt sich also um eine Selbstzahlerleistung. Die konservativen Maßnahmen von manueller Lymphdrainage bis zur Kompressions-Behandlung werden durch die Krankenkassen übernommen.
Für die Kosten einer Fettabsaugung beim Lipödem müssen Sie ähnlich kalkulieren, wie bei der normalen Fettabsaugung. Die meisten Plastischen Chirurgen in Deutschland machen den Preis abhängig von der Menge und der Lokalisation der zu bearbeitenden Areale. Daher muss man mit 2000€ bei kleinen Fettabsaugungen und mit bis zu 10000€ bei Extrembefunden rechnen. Zusätzlich kommen Kosten für Die Narkose von ca. 500€ bis 1000€ hinzu. Manche Plastische Chirurgen verlangen zusätzlich 300-500€ pro Übernachtung für einen stationären Aufenthalt nach der Fettabsaugung.
Aktualisiert am 16.10.2012
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Dr. Rene Schumann; Plastischer Chirurg im Raum Düsseldorf, Köln, Essen in NRW
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