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Plastische Chirurgie, Ästhetische Chirurgie, Handchirurgie
Autor Dr. Rene Schumann
Kapitelüberblick Gynäkomastie
Bild: 25 Jahre alter Mann mit Gynäkomastie
Definition: Unter Gynäkomastie ist die Vergrößerung der Männerbrust zu verstehen. Sie kann ein- oder beidseitig auftreten.
Es gibt verschiedene Klassifikationen. Die Gynäkomastie - Stadien nach Deutinger sind einfach aber treffend:
Verwandte Begriffe: Andromastektomie, große Männerbrust, Gyno
In der Pubertät, im fortgeschrittenen Alter und in der Neugeborenenzeit ist die Gynäkomastie als normal anzusehen. Auch bei starkem Übergewicht ist sie zu beobachten. Da nur eine Vermehrung des Fettgewebes vorliegt, spricht man hier von einer unechten Gynäkomastie = Pseudogynäkomastie.
Die Gynäkomastie (kurz Gyno) kann durch verschiedene Medikamente hervorgerufen werden. Die wichtigsten sind:
Ein Überschuss an Östrogenen (weibliches Geschlechtshormon) kann ebenso zur Gynäkomastie führen, wie der Mangel an Testosteron (männliches Geschlechtshormon).
Eine Zunahme an Östrogenen findet sich bei Tumorerkrankungen des Hodens oder der Nebennierenrinde. Auch bei einer fortgeschrittenen Leberzirrhose gehört die Gynäkomastie zum Symptomkomplex.
Ein Androgenmangel besteht u.a. bei nicht angelegten Hoden, Kastration Schilddrüsenüberfunktion und bei Erkrankungen, die eine Minderproduktion an Androgenen zur Folge haben (Klinefelter Syndrom, Prolaktinom,...).
Die Diagnostik sollte eine Hormonanalyse und eine Leber- und Schilddrüsenfunktionsüberprüfung durch Laboruntersuchung (Blutabnahme) beinhalten.
Insbesondere bei einer einseitigen Gynäkomastie im fortgeschrittenen Alter sollte auch an den zwar seltenen, aber höchst aggressiven Brustkrebs (Mammacarzinom) beim Mann gedacht werden. Daher ist die Sonographie und Mammographie empfehlenswert.
Meist leiden die Betroffenen an der kosmetischen Beeinträchtigung. Schmerzen sind nur selten vorhanden. Der typische Befund besteht in der Größenzunahme der Brustwarze und des Warzenhofes. Meist lassen sich derbe Drüsenstränge tasten. Das Drüsengewebe kann von dem Fettgewebe leicht unterschieden werden. Durch das Drüsengewicht wölbt sich oftmals der Brustwarzenhof vor, so dass dieser vergrößert erscheint und herabhängt. Eine Unterbrustfalte ist bei größeren Befunden sichtbar.
Eine Besonderheit ist der Brustkrebs des Mannes der nicht als normale Gynäkomastie fehlgedeutet werden darf. Es können ähnliche Veränderungen, wie beim Brustkrebs der Frau auftreten. Die Symptome treten in der Regel einseitig auf:
Die konservative Therapie besteht darin, die oben beschriebenen auslösenden Ursachen zu eliminieren und Hormonstörungen zu therapieren. Hier ist das Fachwissen von Allgemeinärzten, Internisten, Endokrinologen (spezielle Ausbildung im Bereich Hormone), Kardiologen und Urologen gefragt. Leider bildet sich trotz erfolgreicher konservativer Therapie die Gynäkomastie oft nicht mehr zurück, so dass hier über eine Operation nachgedacht werden kann.
Operation: Fettabsaugung - AndromastektomieBild rechts: Sie sehen mögliche Hautschnitte bei der Gynäkomastie-Op: Brustwarzenrandschnitt, oder kleiner Einstich bei der Fettabsaugung.
Die Art der Gynäkomastie-Operation ist von der Größe und Beschaffenheit der Brust abhängig:
Im Falle einer fetthaltigen Gynäkomastie, die nicht mit einer Vermehrung des Drüsengewebes einhergeht, ist eine Fettabsaugung bei kleineren und mittleren Ausprägungsgraden der Erkrankung ausreichend. Auf den Hautschnitt im Bereich der Brustwarzenhöfe kann dann verzichtet werden.
Beim Fettabsaugen im Rahmen der Gynäkomastie wird ein kleiner Schnitt am seitlichen Brustmuskelrand gesetzt und eine Flüssigkeit infiltriert, die den abzusaugenden Bereich aufquellen lässt. Die Fettzellen schwemmen auf, wodurch sie sich einfacher absaugen lassen. Anschließend wird das Fettgewebe abgesaugt. Es ist wichtig die Übergänge an den Rändern unauffällig auslaufen zu lassen, damit keine Stufen entstehen.
Manchmal ist die Gynäkomastie sehr stark ausgebildet. Sie gleicht dann vom Aspekt her einer weiblichen Brust und kann mit der Fettabsaugung nicht ausreichend korrigiert werden. In solchen Fällen muss eine Brustverkleinerung mit den üblichen Schnitttechniken durchgeführt werden.
Eine Fettabsaugung reicht bei der drüsigen Gynäkomastie nicht aus, da die Brustdrüse ein sehr festes Gewebe ist, welches kaum abgesaugt werden kann.
Daher wird in der Regel eine Kombination der Fettabsaugung mit der Andromastektomie (Entfernung der Brustdrüse beim Mann) praktiziert.
Die Fettabsaugung dient der Konturierung. Bei der Andromastektomie wird ein Schnitt im Brustwarzenhof (Warzenhofrand oder quer durch den Warzenhof) gesetzt über den die Drüse entfernt wird. Am Ende der Operation werden oft Drainagen eingelegt.
Gelegentlich sind im Rahmen der Gynäkomastie auch zu große Brustwarzen vorhanden, die ebenfalls korrigierbar sind.
Bei einer extremen Gynäkomastie (Grad III nach Deutinger) ist eine Operation notwendig, die durchaus mit der Brustverkleinerung bei Frauen verglichen werden kann. Es kommen, je nach Größe und Hautüberschuß der zu korrigierenden Brust, der i-Schnitt, T-Schnitt oder die Schnittführung um den Brustwarzenhof herum (periareolär), in Frage. Diese Schnitttechniken werden bei der Brustverkleinerung und bei der Bruststraffung näher erklärt.
Wird die Gynäkomastie nur mittels Fettabsaugung therapiert, so ist eine ambulante Behandlung möglich. Jedoch ist im Falle einer Andromastektomie und der Operation im Sinne einer Brustverkleinerung, ein kurzer stationärer Aufenthalt üblich.
Die Vollnarkose ist bei mittelschweren und schweren Befunden notwendig.
Nach der Operation sollte eine 6- wöchige Sportkarenz eingehalten werden. Auch ist das Tragen einer Kompressionsweste für diesen Zeitraum wichtig. Gerade in der Anfangsphase wird sich der Schwellungszustand so schneller reduzieren und die Wahrscheinlichkeit von Blut-, oder Wundwasserergüssen ist minimiert.
Aktualisiert am 05.04.2010
Quellen zum Thema Gynäkomastie:
Copyright© 2008-2010 Dr. Rene Schumann, Düsseldorf - NRW - Deutschland
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