
Bild: 25 Jahre alter Mann mit Gynäkomastie
Definition: Unter Gynäkomastie ist die Vergrößerung der Männerbrust zu verstehen. Sie kann ein- oder beidseitig auftreten.
Sie ist zwar überwiegend gutartig, kann aber insbesondere bei einseitigem Auftreten des älteren Mannes auch Brustkrebs bedeuten.
Es gibt verschiedene Klassifikationen. Die Gynäkomastie-Stadien nach Deutinger sind einfach aber treffend:
Verwandte Begriffe: Andromastektomie, große Männerbrust, Gyno (in Bodybuildingkreisen üblich), Männerbusen
Es können physiologische und nichtphysiologische Ursachen der Ausbildung einer Gynäkomastie unterschieden werden. Physiologisch bedeutet im Gegesatz zu nichtphysiologisch, dass es sich um eine nicht krankhafte Veränderung der Männerbrust handelt.
In der Pubertät, im fortgeschrittenen Alter und in der Neugeborenenzeit ist die Gynäkomastie als normal anzusehen. Die Männerbrust verändert sich hier durch nicht krankhafte hormonelle Einflüsse. Auch bei starkem Übergewicht ist die Gynäkomastie zu beobachten. Da nur eine Vermehrung des Fettgewebes vorliegt, spricht man hier von einer unechten Gynäkomastie = Pseudogynäkomastie.
Die nichtphysiologische Gynäkomastie kann durch medikamentöse oder hormonelle Veränderungen die Männerbrust verändern.
Die Gynäkomastie kann durch verschiedene Medikamente hervorgerufen werden. Die wichtigsten sind:
Ein Überschuss an Östrogenen (weibliches Geschlechtshormon) kann ebenso zur Gynäkomastie führen, wie der Mangel an Testosteron (männliches Geschlechtshormon).
Eine Zunahme an Östrogenen findet sich bei Tumorerkrankungen des Hodens oder der Nebennierenrinde. Auch bei einer fortgeschrittenen Leberzirrhose gehört die Gynäkomastie zum Symptomkomplex.
Ein Androgenmangel besteht u.a. bei nicht angelegten Hoden, Kastration Schilddrüsenüberfunktion und bei Erkrankungen, die eine Minderproduktion an Androgenen zur Folge haben (Klinefelter Syndrom, Prolaktinom,...).
Die Diagnostik sollte eine Hormonanalyse und eine Leber- und Schilddrüsenfunktionsüberprüfung durch Laboruntersuchung (Blutabnahme) beinhalten.
Insbesondere bei einer einseitigen Gynäkomastie im fortgeschrittenen Alter sollte auch an den zwar seltenen, aber höchst aggressiven Brustkrebs (Mammakarzinom) beim Mann gedacht werden. Daher ist die Sonographie und Mammographie empfehlenswert.
Meist leiden die Betroffenen an der kosmetischen Beeinträchtigung durch die veränderte Männerbrust. Schmerzen sind nur selten vorhanden. Der typische Befund besteht, neben dem Brustwachstum, in der Größenzunahme der Brustwarze und des Warzenhofes. Meist lassen sich derbe Drüsenstränge tasten. Das Drüsengewebe kann von dem Fettgewebe leicht unterschieden werden. Durch das Drüsengewicht wölbt sich oftmals der Brustwarzenhof vor, so dass dieser vergrößert erscheint und herabhängt. Eine Unterbrustfalte ist bei größeren Befunden sichtbar.
Eine Besonderheit ist der Brustkrebs des Mannes der nicht als die eigentliche Gynäkomastie fehlgedeutet werden darf. Es können ähnliche Veränderungen, wie beim Brustkrebs der Frau auftreten. Die Symptome treten in der Regel einseitig auf:
Die konservative Therapie besteht darin, die oben beschriebenen auslösenden Ursachen zu eliminieren und Hormonstörungen zu therapieren. Hier ist das Fachwissen von Allgemeinärzten, Internisten, Endokrinologen (spezielle Ausbildung im Bereich Hormone), Kardiologen und Urologen gefragt. Leider bildet sich trotz erfolgreicher konservativer Therapie der Männerbusen oft nicht mehr zurück, so dass hier trotz allem eine Operation in Erwägung gezogen werden muss.
Operation: Fettabsaugung - AndromastektomieBild rechts: Sie sehen mögliche Hautschnitte bei der Gynäkomastie-Op: Brustwarzenrandschnitt, oder kleiner Einstich bei der Fettabsaugung.
Die Art der Gynäkomastie-Operation ist von der Größe und Beschaffenheit der Brust abhängig:
Im Falle einer fetthaltigen Männerbrust die medizinisch Pseudogynäkomastie genannt wird und die nicht mit einer Vermehrung des Drüsengewebes einhergeht, ist eine Fettabsaugung bei kleineren und mittleren Ausprägungsgraden der Erkrankung ausreichend. Auf den Hautschnitt im Bereich der Brustwarzenhöfe kann oft verzichtet werden.
Beim Fettabsaugen im Rahmen der Gynäkomastie wird ein kleiner Schnitt am seitlichen Brustmuskelrand gesetzt und eine Flüssigkeit infiltriert, die den abzusaugenden Bereich aufquellen lässt. Die Fettzellen schwemmen auf, wodurch sie sich einfacher absaugen lassen. Anschließend wird das Fettgewebe abgesaugt. Es ist wichtig die Übergänge an den Rändern unauffällig auslaufen zu lassen, damit keine Stufen entstehen.
Manchmal ist der Männerbusen sehr stark ausgebildet und gleicht dann vom Aspekt her einer großen weiblichen Brust. Mit der Fettabsaugung ist hier keine ausreichende Korrektur möglich. In solchen Fällen muss eine Brustverkleinerung mit den üblichen Schnitttechniken durchgeführt werden.
Eine Fettabsaugung reicht bei einem drüsigen Männerbusen häufig nicht aus, da die Brustdrüse ein sehr festes Gewebe ist, welches kaum abgesaugt werden kann.
Daher wird in der Regel eine Kombination der Fettabsaugung mit der Andromastektomie (Entfernung der Brustdrüse beim Mann) praktiziert.
Die Fettabsaugung dient der Konturierung. Bei der Andromastektomie wird ein Schnitt am Brustwarzenhof gesetzt über den der Überschuss der Drüse entfernt wird. Am Ende der Operation werden oft Drainagen eingelegt.
Nicht selten ist die Gynäkomastie mit zu großen Brustwarzen kombiniert, die ebenfalls korrigierbar sind.
Bei einer extremen Gynäkomastie (Grad III nach Deutinger) ist eine Operation notwendig, die durchaus mit der Brustverkleinerung bei Frauen verglichen werden kann. Es kommen, je nach Größe und Hautüberschuss der zu korrigierenden Männerbrust, der i-Schnitt, T-Schnitt oder die Schnittführung um den Brustwarzenhof herum (periareolär), in Frage. Diese Schnitttechniken werden bei der Brustverkleinerung und bei der Bruststraffung näher erklärt.
Wird die Gynäkomastie nur mittels Fettabsaugung therapiert, so ist eine ambulante Behandlung möglich. Jedoch ist im Falle einer Andromastektomie und der Operation im Sinne einer Brustverkleinerung, ein kurzer stationärer Aufenthalt üblich.
Die Vollnarkose ist bei mittelschweren und schweren Befunden notwendig.
Nach der Operation sollte eine 6- wöchige Sportkarenz eingehalten werden. Auch ist das Tragen einer Kompressionsweste für diesen Zeitraum wichtig. Gerade in der Anfangsphase wird sich der Schwellungszustand so schneller reduzieren und die Wahrscheinlichkeit von Blut-, oder Wundwasserergüssen ist minimiert.
Aktualisiert am 25.06.2011
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