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Handchirurgie und Erkrankungen der Hand


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Golferarm | Epicondylitis medialis

golferarm-op-golferellenbogen Beratung in Düsseldorf

Autor Dr. Rene Schumann

Kapitelüberblick Golferarm

Golferarm - Entstehung

Auch beim Golferarm, anders Golferellenbogen , Golfarm genannt oder medizinisch Epicondylitis medialis humeri, handelt es sich, wie bei dem Tennisarm um eine Sehnenursprungsentzündung (Sehnenursprungstendinose). Allerding ist beim Golferarm die Innenseite des Ellenbogengelenkes beeinträchtigt. Die Unterambeugemuskulatur am inneren Oberarmknorren, an der Kleinfingerseite des Ellenbogengelenkes ist durch eine berufliche oder sportliche (u.a. Golf) Überbeanspruchung gereizt. Dieses betrifft insbesondere die Knochenhaut (Periost). Auch geht man davon aus, dass beim Golferarm eine chronische Verkrampfung der entsprechenden Muskulatur als Ursache, eine bedeutsame Rolle spielt. Gelegentlich sind die Beschwerden zusammen mit einem Sulcus Ulnaris Syndrom anzutreffen.

Beim Tennisarm ist die Außenseite des Ellenbogengelenkes (Epikondylus Humeri radialis) in ähnlicher Weise betroffen.

Synonyme: Golferellenbogen, Epicondylitis humeri ulnaris, EHU

Unterarmmuskeln die beim Golferarm involviert sindFür den Golferarm relevante Anatomie

Bild rechts: Hier die wichtigsten Muskeln, die am inneren Oberarmknorren ansetzen und somit für die Golferarm-Problematik verantwortlich sind: 1, Musculus pronator teres 2, M. flexor carpi ulnaris (nur der Ursprung sichtbar) 3, M. palmaris longus 4, M. flexor carpi radialis

Am inneren Oberarmknorren (Epicondylus humeri ulnaris) setzen mehrere Unterarmmuskeln an, die für die Beugung von Handgelenk und Finger mitverantwortlich sind. Die Beschwerden beim Golferarm sind hier lokalisiert.

Bild unten: Röntgenbild vom Ellenbogen: 1, Oberarmknochen, Humerus 2, äußerer Knorren 3, innerer Knorren 4, Speiche, Radius 5, Elle, Ulna

Ellenbogengelenk Röntgenbild mit Oberarmknochen Elle und Speiche

Beschwerden

Beim Golferarm löst die Überbeanspruchung der Muskulatur an deren Ursprüngen einen charakteristischen Schmerz aus, der durch Druck auf den o.g. Knorren oder durch eine typische Bewegung (Beugung des Handgelenkes wie beim Golfabschlag) provoziert werden kann. Bei der Unterarmdrehung nach innen werden ebenfalls Schmerzen beschrieben. Funktionell ist der Arm oft enorm eingeschränkt. Bei fortgeschrittenem Golferarm ist eine Kraftminderung der entsprechenden Muskulatur zu sehen.

Der Untersucher sollte den Golferarm (Epicondylitis humeri medialis) von der Epikondylitis humeri radialis (Tennisarm) und von anderen Krankheiten abgrenzen. Verschleißbedingte Gelenkveränderungen (Arthrose), sowie Entzündungsprozesse und Tumore können dem Golferarm ähnelnde Beschwerden auslösen. Nicht selten ist der Golferarm assoziert mit einem Sulcus ulnaris Syndrom, so dass der kleine Finger kribbeln kann.

Konservative Golferarm- Behandlung

Zur medikamentösen Behandlung beim Golferarm gehört die Anlage von Salbenverbänden (z.B. Diclofenac-Emulgel etc.). Auch Injektionen der Muskelursprünge mit entzündungshemmenden und schmerzstillenden Medikamenten (Lokalanästhetika und Kortison) werden angewendet. Diese sind beim Golferarm, wegen der Nähe des Nervus ulnaris (Ellennerv), sicherlich mit mehr Vorsicht zu genießen. Man sollte nicht außer Acht lassen, dass Kortison zu Nervenschädigung führen kann. Erfolgen solche Injektionen mehrfach und eventuell direkt in den Ellennerven, so können bleibende Schäden verursacht werden, welche auch mittels einer Operation nicht immer gebessert werden. Schließlich sind das Tragen einer Oberarmgipsschiene zur Ruhigstellung oder einer Ellenbogenmanschette weitere konservative Therapieoptionen.

Weiterhin sollte ein Versuch mit Krankengymnastik unternommen werden, um die verkrampfte und ggf. verkürzte Unterarmbeugemuskulatur zu dehnen und zu lockern.

Bild: Dehnübung beim Golferarm: Bei gestrecktem Ellenbogen wird im Handgelenk gestreckt.

Dehnübungen beim Golferarm bzw. Golferellenbogen

Operation beim Golferarm

Wenn nach einer ca. sechsmonatigen konservativen Behandlung der Golferarm immer noch keine Verbesserung zeigt oder es gar zu einer Verschlechterung kommt, so ist beschwerdeabhängig zu einer Operation zu raten. Der Eingriff kann ambulant durchgeführt werden, wenn keine Gründe (Nebenerkrankungen) dagegen sprechen. Eine i.v. Regionalanästhesie, Plexusanästhesie (Betäubung in der Achselhöhle) oder in besonderen Fällen auch eine Vollnarkose sind mögliche Anästhesieverfahren.

Im Grunde genommen stehen beim Golferarm wie beim Tennisarm zwei Standardverfahren zur Verfügung. Die Operation nach Hohmann und die Operation nach Wilhelm. Wegen der Nähe des Nervus ulnaris (Ellennerv) ist hier größere Vorsicht geboten.

Operation nach Hohmann:

Beim Golferarm werden am inneren Ellenbogen (Oberarmknorren) und weiter körpernah und körperfern die Ursprünge der hier ansetzenden Muskulatur abgelöst.

Operation nach Wilhelm:

Die Operation nach Wilhelm beinhaltet die Durchtrennung und Verödung kleinster Nerven, die den inneren Ellenbogenbereich versorgen. Dieser Eingriff wird auch Denervierung genannt. Die Kombination beider Eingriffe wird von vielen Operateuren bevorzugt.

Beim Tennisarm wird die Operation in ähnlicher Weise an der Daumenseite der Ellenbeuge durchgeführt.

Minimal invasive Operation beim Golferarm

Beim Golferarm ist die minimal invasive Operation mit Vorsicht zu genießen. Der Nervus ulnaris (Ellennerv) befindet sich in unmittelbarer Nähe des Operationsgebietes und könnte bei schlechter Übersicht verletzt werden. Daher bevorzugen wir beim Golferarm nicht die minimal invasive Operation und empfehlen einen Eingriff wie im vorigen Absatz beschrieben.

siehe auch: minimal invasive Operation beim Tennisarm

Nach der Op

Nach der Golferarm-Op trägt man zur Ruhigstellung für 14 Tage eine Oberarmgipsschiene. Danach kann mit vorsichtigen Bewegungsübungen im Ellenbogengelenk begonnen werden. In Abhängigkeit von der Schwere der Erkrankung und vom Heilungsverlauf, ist eine Krankengymnastik manchmal sinnvoll.


▲ Golferarm

Aktualisiert am 05.04.2010

Quellen zum Thema Golferarm / Golferellenbogen:

Pubmed:

  • Diagnose und Behandlung beim Golferarm:
    Diagnosis and treatment of medial epicondylitis of the elbow. - Ciccotti MC, Schwartz MA, Ciccotti MG. - Clin Sports Med. 2004 Oct;23(4):693-705, xi. Review.
  • Golferarm und Sulcus ulnaris Syndrom:
    Medial epicondylitis and cubital tunnel syndrome in the throwing athlete. - Grana W. - Clin Sports Med. 2001 Jul;20(3):541-8. Review.

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