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Eingewachsener Zehennagel: Unguis incarnatus

eingewachsener Zehennagel

 

Bild: Sie sehen einen eingewachsenen Zehennagel der durch fehlerhaftes Schneiden des Nagels entstanden ist. Obwohl an der Oberfläche keine Problematik zu sehen war, hatte der Patient chronische Schmerzen. Während der Operation genügte bereits ein mäßiger Druck mit der Pinzette um den in der Tiefe verbliebenen dornartigen Rest des Nagels durchspießen zu lassen.

Der eingewachsene Zehennagel wird in der medizinischen Fachsprache Unguis incarnatus oder Onychocryptosis genannt. Wenngleich es sich nicht um ein schwerwiegendes chirurgisches Problem handelt, ist die Erkrankung für den Patienten äußerst lästig.

Was ist ein eingewachsener Zehennagel

Ein eingewachsener Zehennagel wird in der Regel hervorgerufen durch einen Nagel der sich an den Seiten (am häufigsten) einrollt (Rollnagel = Unguis convolutus). Hier schneidet der Nagel in das umliegende Gewebe ein und verursacht Beschwerden. Durch die Reibekräfte beim Gehen und Laufen entsteht eine Wunde die Keimen als Eintrittspforte dienen kann, so dass zusätzlich eine Infektion auftritt. Auch durch unsachgemäßes Schneiden der Zehennägel kann es zu Ecken, Kanten und Dornen kommen die das Gewebe verletzen.
Der eingewachsene Zehennagel tritt in den meisten Fällen an der Großzehe auf und ist häufiger bei Männern, als bei Frauen. Kinder sind selten betroffen.

 

Beschwerden des Unguis incarnatus

unguis incarnatus

Bild: Unguis incarnatus (eingewachsener Nagel) mit Matzeration und diskret nässender Wunde.

Am Anfang stehen beim Unguis incarnatus leichte aber zunehmende Schmerzen im Vordergrund. Durch weitere Belastung bzw. Benutzung des Vorfußes steigert sich der Reizzustand mit Rötung, Schwellung, Überwärmung, Gestank und z.T. auch Blutung. Der Übergang zur Infektion mit der Absonderung von Eiter ist fließend. Wird der eingewachsene Zehennagel unsachgemäß behandelt, kann sich der Infekt vom Vorfuß und über den Fuß bis in den Körper verbreiten. Spätesten mit dem Auftreten von Fieber und Schüttelfrost als Zeichen für eine Blutvergiftung (Sepsis) (extrem selten) sollte nicht länger gezögert werden und unverzüglich der Arzt aufgesucht werden. Auch kann ein eingewachsener Zehennagel mit Infektion in seltenen Fällen zu einer Osteomyelitis (Knochenentzündung) führen. Am sinnvollsten ist ein Behandlungsbeginn am Anfang bei stärker werdenden Schmerzen um ein Fortschreiten der Symptomatik zu vermeiden.

 

Ursachen

Die Ursachen sind vielfältig.

  • Die häufigste Ursache des Unguis incarnatus ist das unsachgemäße Schneiden der Zehennägel!
  • Ein eingewachsener Zehennagel entsteht oft bei Menschen mit Rollnägeln, bei denen sich der Zehennagel an den Seiten in das ‚Fleisch‘ einrollt.
  • Infektionen sind häufige Ursache. Durch die Entzündung schwillt das Gewebe an, wird weicher und verletzlicher. Dadurch führt der Nagelrand beim Gehen zu einer mechanischen Irritation und den oben beschriebenen Beschwerden.
  • Verletzungen können zum Eintritt von Bakterien führen und somit zur Infektion.
  • Ein eingewachsener Zehennagel kann auch indirekte Folge schlecht sitzender Schuhe im Bereich des Vorfußes sein, welche wiederum zu einer mechanischen Irritation führen.
  • Auch chronische Pilzinfektionen begünstigen die Ausbildung des Beschwerdebildes eingewachsener Zehennägel.
  • Auch verschiedene Fußfehlbildungen und Nagelfehlbildungen begünstigen oft das Auftreten eingewachsener Zehennägel.
  • Die Vererbung spielt eine bedeutende Rolle.

 

Vermeidung, Vorbeugung

Der eingewachsene Zehennagel kann mit den folgenden Möglichkeiten meist vermieden werden.

  • Wichtig ist ein korrektes Schneiden der Zehennägel, insbesondere wenn es sich um Rollnägel handelt. Bei Bedarf professionelle Nagelpflege im Sinne einer Pediküre. Beim Schneiden dürfen keine spitzen Ecken und Kanten entstehen. Das Ende des Nagelrandes muss sorgfältig abgerundet sein. Es ist besser die Nagelenden an den Seiten etwas länger zu lassen, da sie somit nicht einwachsen können!
  • Mechanische Irritationen sollten vermieden werden. Das Tragen zu enger Schuhe muss vermieden werden.
  • Infektionen ganz gleich, ob durch Bakterien oder Pilze müssen rechtzeitig und sachgemäß behandelt werden.
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Füße immer trocken und sauber sind. Tragen Sie im Sommer luftdurchlässige Schuhe.

 

 

Behandlung

eingewachsener Nagel mit Infektion

Bild: Hier bereitet der Nagelrand beidseits Beschwerden. Die beginnende Infektion mit Rötung und Schwellung ist deutlich.

Ein eingewachsener Zehennagel kann in unterschiedlicher Weise behandelt werden. Dabei muss der Befund berücksichtigt werden. Bei Infekten sollte immer ein Arzt kontaktiert werden!

Tetanus-Schutz

Da ein eingewachsener Zehennagel mit mechanischer Irritation und/ oder Infektion eine Verletzung der Haut darstellt, darf nie vergessen werden bei solchen Patienten den Tetanus-Schutz zu überprüfen. Bei Bedarf muss eine Auffrischung erfolgen oder wenn die letzte Auffrischung länger als 10 Jahre her ist, dann muss komplett Grundimmunisiert werden (3x Spritzen). Ist die Tetanusimpfung 5 Jahre her so genügt eine Auffrischung mit einer Injektion.

Vorsicht Nebenerkrankungen

Es gibt verschiedene Erkrankungen bei denen ein eingewachsener Zehennagel schnell einen komplikativen Verlauf nehmen kann. Es handelt sich um Erkrankungen (AIDS, Chemotherapie bei Tumore, Immunsupression  nach Transplantationen) die eine Immunschwäche zur Folge haben und somit nur ein schlechter Schutz gegen Keime besteht. Auch Erkrankungen, die zu einer Durchblutungsstörung führen, wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) oder pAVK (die Gefäßverschlußkrankheit) führen zu einer schlechten bis miserablen Heilungstendenz. In diesen Fällen ist eine frühzeitige und ggf. aggressivere Behandlung eingewachsener Zehennägel von entscheidender Bedeutung.

 

Konservative Behandlung

  • Korrektes Nachschneiden der Zehennägel. Insbesondere wenn der eingewachsene Zehennagel durch einen Dorn des Nagels oder ein scharfe Kante entstanden kann bereits ein effizientes Nachschneiden heilsam sein.
  • Das Tragen weiter Schuhe verhindert die mechanische Irritation im Bereich des Vorfußes.
  • Weiterhin ist die Schonung des betroffenen Fußes wichtig um weitere mechanische Irritationen zu vermeiden.
  • Eine weitere Möglichkeit der konservativen Behandlung ist die Benutzung einer Zehennagelspange (aus Metall oder Kunststoff). Diese greift um den Zehennagel und biegt die eingewachsenen Nagelränder nach seitlich oben, so dass der Nagl nicht mehr in das Gewebe einwächst. Diese Behandlung braucht oft viele Monate Zeit stellt jedoch keine Behinderung dar. Auch mit dieser Korrekturspange kann Sport getrieben werden.
  • Behandlung von Infektionen können mit antiseptischen Salben und ggf. mit Antibiotika durchgeführt werden.
  • Schmerzmittel sind nur bei stärkeren Schmerzen (meist bei Infektionen) nötig.

 

Operation eingewachsener Zehennägel

Wenn die oben beschriebenen konservativen Optionen der Behandlung nicht zum Erfolg führen oder der eingewachsene Zehennagel immer wieder auftritt, dann sollte über die Operation nachgedacht werden.
Es gibt verschieden Operationstechniken, die je nach dem Ausprägungsgrad Anwendung finden können. Die kleinste mögliche Operation besteht darin den Zehennagel korrekt zu formen und das überschüssige Gewebe, welches Haut oder ‚wildes Fleisch‘ (Hypergranulation) sein kann mit einem Skalpell wegzuschneiden.

Nun wird die sogenannte Keilexzision, auch Emmet-Plastik genannt, vorgestellt.
Bei korrekter Durchführung der kleinen Operation ist in der Regel kein Wiederauftreten des Unguis incarnatus zu erwarten. Dieses liegt daran, dass die Nagelwurzel an der Stelle ausgerottet wird, an der sich der Nagelabschnitt bildet, welcher einwächst.

Die Operation kann in örtlicher Betäubung ohne Narkose durchgeführt werden. Die Betäubung wird über mehrere Stiche an der Zehenbasis gesetzt. Das Einhalten einer ausreichenden Einwirkungszeit ist anschließend wichtig.
Die eingewachsenen Bereiche des Nagelrandes werden nun mit dem Skalpell entfernt. Dieses geschieht längs bis in die Nagelwurzel, damit kein neuer Nagel in diesem Bereich nachwachsen kann. In der Tiefe müssen Kanten und Nageldornen, u.a. komplett entfernt werden. Nach sorgfältiger Spülung erfolgt der Wundverschluss mit stabilen Nähten. Die Operation wird mit einem antiseptischen Salbenverband beendet.

 

Nach der Operation

Nach der Operation eingewachsener Zehennägel ist die korrekte Nachbehandlung mindestens ebenso wichtig um ein Rezidiv zu vermeiden.

  • Ohne Schonung kann keine schnelle Heilung erwartet werden. Also sollte man in der Heilungsphase möglichst wenig gehen.
  • Die Hochlagerung zur Schwellungsreduktion sollte wann immer möglich erfolgen.
  • Die Kühlung nutzt insbesondere bei leichten Infekten und stärkeren Schwellungszuständen.
  • Regelmäßige Verbandswechsel für die Beurteilung einer regelrechten Heilung.
  • Die Benutzung antiseptische Salben tötet die Keime ab.
  • Bei einer Infektion werden Antibiotika gegeben.
  • Schmerzmittel sollten zumindest in den ersten Tagen bei Bedarf zur Verfügung stehen.

 

 

 

Aktualisiert am 04.03.2012

 

 

Literatur

 

 

  • Management of the ingrown toenail. - Heidelbaugh JJ, Lee H. - Am Fam Physician. 2009 Feb 15;79(4):303-8. Review
  • Ingrown toenail or overgrown toe skin?: Alternative treatment for onychocryptosis. - Chapeskie H. - Can Fam Physician. 2008 Nov;54(11):1561-2. Review.
  • The occasional removal of an ingrowing toenail. - Thommasen HV, Johnston CS, Thommasen A. - Can J Rural Med. 2005 Summer;10(3):173-80. Review.
  • Practice tips. Managing infected ingrown toenails: longitudinal band method. - Ogur R, Tekbas OF, Hasde M. - Can Fam Physician. 2005 Feb;51:207-8. Review.

 

 

 

Copyright© 2008-

Dr. Rene Schumann; Plastischer Chirurg im Raum Düsseldorf, Köln, Essen in NRW

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